„Bloß keine Trauerkarten!“ – warum sich eine Bestattungsvorsorge lohnt
Über die eigene Bestattung spricht kaum jemand wirklich gerne. Würde man jedenfalls meinen.
Trotzdem erleben wir immer wieder, wie viel leichter es für alle wird, wenn vorher schon einmal darüber gesprochen wurde. Nicht, weil dann alles perfekt geplant ist. Sondern weil die Menschen, die sich später kümmern, wissen, was sich die verstorbene Person gewünscht hat – und sich in einer ohnehin schweren Zeit nicht mehr ganz so viele schwere Entscheidungen treffen müssen.

Eine Bestattungsvorsorge ist für uns deshalb vor allem eines: Ein Gespräch.
Manchmal ein langes, oft auch ein überraschend heiteres. Wie viel daraus später wird, zeigt die Geschichte von Hannelore und Holger. Die Namen und einige Details haben wir verändert, die Situationen sind aber genauso geschehen.
Hannelore und Holger – ein Nachmittag bei uns im Laden
Hannelore und Holger sind 85 und 89 Jahre alt und seit 25 Jahren ein Paar. Sie haben sich im Alter noch einmal gefunden. Holgers Familie ist über die ganze Welt verteilt: ein Sohn lebt in Münster, der andere in Nürnberg, sein Bruder auf Kreta. Nur Hannelores Sohn wohnt in Berlin. Er müsste sich im Fall der Fälle um alles kümmern.
Die beiden merken, dass sie älter werden. Vor allem Holger wird langsam vergesslich. Also kommen sie zu uns, um eine Bestattungsvorsorge zu machen, und wir sitzen lange zusammen.
Holger hat dazu zunächst eine klare Meinung: Hannelore soll sich dann kümmern. Fertig. Das reicht doch als Vorsorge.
Doch je länger wir reden, desto genauer weiß er plötzlich, was er will – und was auf keinen Fall. Niemand soll mit Karten oder irgendetwas Schriftlichem eingeladen werden. Alles soll einfach und schlicht sein. Und dennoch: Am Ende darf immer Hannelore entscheiden. Wir schreiben alles auf.
Hannelore ist es wichtig, dass auch das Praktische geregelt ist. Die beiden kaufen in den nächsten Wochen schon eine Grabstelle und legen je 2.000 Euro auf einem Sterbegeldkonto an.
Als sie gehen, ist nicht jede Kleinigkeit festgelegt aber das Wichtigste ist gesagt.

Ein Anruf um vier Uhr morgens
Einige Jahre später klingelt um vier Uhr morgens das Telefon. Hannelore ist dran. Holger ist in der Nacht gestorben, er liegt tot neben ihr im Bett. Der Arzt war schon da und hat den Leichenschauschein ausgestellt.
Eine von uns telefoniert lange mit ihr. Hannelore weiß nicht, was sie jetzt tun soll: Will sie noch einmal neben Holger schlafen? Oder soll er jetzt, früh am Morgen, abgeholt werden? Beides ist möglich. In Berlin darf ein verstorbener Mensch bis zu 36 Stunden zu Hause bleiben. Am Ende entscheidet sie sich für eine frühe Überführung.
Noch am Vormittag treffen wir uns, um die nächsten Schritte zu besprechen. Holgers Bruder Lukas ist zufällig gerade in Berlin zu Besuch und kommt mit. Der vorangegangene Abend war eine Premiere – zum ersten Mal in 60 Jahren hatten sich Lukas, Holger und einer der Söhne in dieser Konstellation wieder getroffen. Und nach diesem seltenen Abend stirbt Holger.
Der Sohn, Lukas und Hannelore sind überfordert und alle möchten Hannelore unterstützen. Lukas hat zu manchen Punkten schon sehr feste Vorstellungen. Hannelore dagegen weiß noch gar nicht, was sie will. Ihr Mann ist erst seit acht Stunden tot.
Lukas möchte gleich eine Schmuckurne aussuchen und Karten müssten auf jeden Fall verschickt werden, meint er. Hannelore ist unsicher. Für einen kurzen Moment fragen wir uns: Kippt jetzt die Stimmung zwischen den beiden?
Wir schauen in Holgers Bestattungsvorsorge. Dort steht in unseren Notizen von damals ganz klar: Keine Karten und auch keine Schmuckurne, alles möglichst ökologisch und einfach.
Und dann passiert etwas Schönes. Lukas orientiert sich sofort an dem, was wir damals aufgeschrieben haben. Was sein Bruder festgelegt hat, ist für ihn völlig in Ordnung. Hannelore muss nichts verteidigen und nichts diskutieren. Holger hatte es ja selbst gesagt.
Genau dafür ist eine Vorsorge da. Nicht um jede Einzelheit zu regeln, sondern damit die Menschen, die zurückbleiben, sich an etwas festhalten können – und einander nicht überzeugen müssen.
Was gehört nun in eine Bestattungsvorsorge?
So viel oder so wenig, wie Sie möchten. Manche Menschen legen jedes Detail fest, andere nur zwei, drei Dinge, die ihnen wirklich wichtig sind. Beides ist richtig. Holgers Vorsorge hat gezeigt, dass oft schon wenige klare Sätze reichen.
Im Gespräch gehen wir gemeinsam Fragen durch wie diese:
Erde oder Feuer? Möchten Sie im Sarg beigesetzt werden oder eingeäschert?
Wo? Auf einem bestimmten Friedhof, da unter einem Baum, auf See – oder ist Ihnen der Ort gar nicht so wichtig?
Wie soll der Abschied aussehen? Groß oder ganz klein, mit Musik, mit einer Rede, an einem besonderen Ort?
Wer soll Bescheid bekommen? Und wie – mit Karten, einer Anzeige oder eben ausdrücklich nicht?
Wer entscheidet am Ende? Gibt es einen Menschen, dem Sie vertrauen, so wie Holger Hannelore vertraut hat?
Auch was Sie nicht möchten, ist eine wichtige Information. „Keine Karten“ und „keine Schmuckurne“ waren in Holgers Fall die Sätze, die am Ende den Unterschied gemacht haben.
Ihre Wünsche halten wir schriftlich fest. Sie lassen sich jederzeit ändern, wenn sich Ihre Vorstellungen verändern. Wichtig ist nur: Erzählen Sie Ihren Angehörigen, dass es diese Vorsorge gibt und wo sie zu finden ist.
Und was ist mit dem Geld?
Eine Vorsorge muss nicht mit Geld verbunden sein. Die eigenen Wünsche aufzuschreiben, ist schon viel wert. Wer möchte, kann aber auch finanziell vorsorgen, so wie Hannelore und Holger. Für viele ist das eine Erleichterung, weil die Angehörigen dann nicht in Vorleistung gehen müssen.
Dafür gibt es verschiedene Wege, welcher Weg passt, hängt von Ihrem Alter, Ihren Wünschen und Ihrer Situation ab. Welche Option es gibt erfahren Sie auf unserer Seite zur Bestattungsvorsorge.
Was eine Bestattung ungefähr kostet, haben wir übrigens in unserem Beitrag „Wieviel kostet eigentlich eine Bestattung?“ zusammengefasst.

So läuft eine Vorsorge bei uns ab
Am Anfang steht ein unverbindliches Gespräch. Sie können allein kommen, zu zweit oder mit Ihren Kindern. Nehmen Sie sich ruhig Zeit. Bei Hannelore und Holger wurden es am Ende zwei Gespräche und das war dann auch gut so.
Haben Sie Fragen? Rufen Sie uns an unter 030 – 314 86 122. Wir sind von 9 bis 17 Uhr erreichbar – im akuten Trauerfall auch außerhalb dieser Zeiten. Oder vereinbaren Sie direkt einen Termin für ein Vorsorgegespräch über unseren Online-Kalender.
Wie Sie Ihre Vorsorge konkret regeln, lesen Sie hier Vorsorge.
Und was ist, wenn ich wirklich keine Lust auf dieses Thema habe?
In regelmäßigen Abständen haben wir die Veranstaltung "Drehbuch meines Abschiedes" mit Sabine von Stackelberg. An diesem Abend schauen wir als Gruppe in die „Black Box“ Bestattung ein wenig hinein und zeigen, wie man ein Drehbuch für den eigenen Abschied erstellen kann. Informationen und der gegenseitige Austausch sollen dazu anregen, individuelle Wünsche und Möglichkeiten für den eigenen persönlichen Abschied zu entdecken – vielleicht hilft das um mit etwas mehr Abstand Raum zu finden, die eigenen Wünsche dann irgendwann festzuhalten. Infos zu unseren Events finden Sie hier - Events


